Unsicherheit nimmt ab, der Optimismus wächst
Das BDI-Mittelstandspanel Herbst 2009
Der industrielle Mittelstand zeigt sich in seiner Einschätzung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wieder optimistischer.
Vorschußlorbeeren werden der neuen Bundesregierung aber nur in Maßen zuteil. Das ist ein Ergebnis der Herbstumfrage des BDI-Mittelstandpanels 2009.
„Das Ende des wahlkampfbedingten Reformstillstands wird von der mittelständischen Industrie offensichtlich positiv bewertet. Der Koalitionsvertrag und die ersten Schritte der neuen Bundesregierung stärken das Vertrauen in den Handlungswillen und die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung.“ Dies erklärte der Vorsitzende des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses Arndt G. Kirchhoff anlässlich der Präsentation der Ergebnisse des BDI-Mittelstandspanels.
Die Reihenfolge, in der die Bundesregierung die Aufgaben angehe, stimme. „Erst die Krisenbewältigung und dann die Strukturreformen für nachhaltiges Wachstum“, sagte Kirchhoff. Als wichtigste politische Handlungsfelder für die nächste Legislaturperiode betrachtet die mittelständische Industrie nach wie vor den Bürokratieabbau (90 Prozent) die Senkung der Lohnzusatzkosten (87%), die Stärkung von Bildung und Ausbildung (82 Prozent) und die Reform der Einkommensteuer (79 Prozent). Die Sicherung der Seite 2 von 3 Unternehmensfinanzierung rangiert mit knapp 70 Prozent im oberen Mittelfeld. Über 60 Prozent betrachten die Förderung von Forschung und Entwicklung als wichtiges politisches Handlungsfeld
„Der wirtschaftspolitische Wunschzettel der Befragten ist – zum wiederholten Male – nahezu unverändert. Er ist meiner Ansicht nach ein Beleg dafür, dass der Weg zu stärkerem Wachstum nur über nachhaltige Struktur verbessernde Maßnahmen gelingen wird“, so Kirchhoff. „Die Unsicherheit nimmt ab, der Optimismus wächst – das zeigen die Ergebnisse des Mittelstandspanels. Wichtig ist deshalb jetzt, dass sich die Unternehmen fit machen für die Zeit nach der Krise und auf Wachstum und Chance umstellen. Investitionen, weitere Internationalisierung und Innovation sind hierfür nötig. Um das stemmen zu können, brauchen die Unternehmen einerseits ein professionelles Kosten- und Liquiditätsmanagement, andererseits aber auch eine wirklich transparente Finanzkommunikation, um die Aufnahme von Fremdkapital zur Finanzierung des Aufschwungs zu erleichtern“, stellt Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, fest.
Viele Unternehmen hätten sich zwar im laufenden Jahr durch einen harten Sparkurs und massive Investitionskürzungen Liquiditätsspielräume erschließen können. „Die Gefahr einer Kreditklemme ist damit jedoch keineswegs gebannt“, so der Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank, Kurt Demmer. Denn mit sich belebender Investitionstätigkeit und verstärktem Lageraufbau werde die Kreditnachfrage wieder zunehmen, während das Kreditangebot vorerst eingeengt bleibe. Vor diesem Hintergrund sei es von entscheidender Bedeutung, die Verbriefungsmärkte wieder in Gang zu setzen, allerdings mit hohen Qualitätsstandards. „Die internationalen Kapitalmärkte sind liquide; diese Liquidität müssen wir für die Mittelstandsfinanzierung zugänglich machen“, so Demmer.
Der Einbruch, den die mittelständischen Industrieunternehmen verkraften müssen, zeigt sich deutlich an der Umsatzentwicklung des ersten Halbjahres 2009: Zwei von drei Unternehmen mussten Umsatzrückgänge hinnehmen, jedes Dritte sogar von über 20 Prozent. „Am nächsten Aufschwung können Seite 3 von 3 die Unternehmen aber nur mithilfe ihrer Fachkräfte partizipieren. Daher haben sie bisher zum Großteil auf einen Beschäftigungsabbau verzichtet – zu Lasten von Liquidität und Reserven. Um ihr Lebenswerk zu stützen, haben knapp drei von zehn Unternehmen sogar ihr privates finanzielles Engagement erhöht“, so Professor Frank Wallau aus dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zur Situation im industriellen Mittelstand.
- BDI-Mittelstandspanel: Ergebnisse der Online-Mittelstandsbefragung, Herbst 2009
- Zur Pressemitteilung
- Statement Arndt G. Kirchhoff, 08.12.2009
- Statement Peter Englisch, 08.12.2009
- Statement Dr. Kurt Demmer, 08.12.2009

