Binnenmarkt

26. Brüsseler Wirtschaftsgespräch

Regulierung der Finanzmärkte: Was bleibt zu tun?

Allianz-Vorstandsmitglied Oliver Bäte beim Brüsseler Wirtschaftsgespräch Allianz-Vorstandsmitglied Oliver Bäte beim Brüsseler Wirtschaftsgespräch ©Allianz/ Thierry Monasse
21.10.2010

Allianz-Vorstandsmitglied Oliver Bäte sprach beim am 6. Oktober 2010 zum Thema „Regulierung der Finanzmärkte: Was bleibt zu tun?“.

Die Ursachen der aktuellen Finanzkrise seien im Kern auf gezielte politische Entscheidungen wie etwa die Niedrigzinspolitik und die Förderung von Hauskäufen in den USA zurückzuführen, sagte Bäte vor den Gästen aus den europäischen Institutionen, der deutschen Wirtschaft, den deutschen Medien sowie der Ständigen Vertretung im ehrwürdigen Club de la Fondation Universitaire. Mit Verweis auf die Finanzforscher Reinhart und Rogoff erklärte er, dass es auch in Zukunft Krisen geben werde und es nun darum gehen müsse, die Wirtschaft durch intelligente Regulierung krisenfest zu machen.

Risikosensitive Kapitalanforderungen, so Bäte, seien ein richtiges Mittel. Es dürfe aber nicht zu einer unnötigen Schwächung der Versicherer und ihrer Kunden durch ein zu komplexes Rahmenwerk kommen. Die bisherige Diskussion über Bilanzierungsregeln würdige nicht ausreichend die Tatsache, dass Versicherer langfristig orientierte Anleger seien. Richtig sei, die Kapitalstärke eines Unternehmens insgesamt zu beurteilen – nicht sinnvoll wäre es, wenn in einem Unternehmen Kapital von Tochtergesellschaften unberücksichtigt bliebe.

Die Rechnungslegung müsse dem Geschäftsmodell der Versicherer Raum geben und dürfe es nicht unnötig einengen. Nach jetzigem Stand würde das Versicherungsgeschäft durch kurzfristige Marktschwankungen unnötig belastet, obwohl die Versicherer für ihre Kunden langfristig handelten.

„Die Assekuranz an sich ist nicht systemgefährdend – kann also keine Finanzkrise auslösen. Wir Versicherer können aber Opfer einer systemischen Fehlentwicklung auf den Märkten werden, und wir können Krisen verschärfen, wenn unsere regulatorischen Rahmenbedingungen falsche Anreize setzen, weil wir zum Beispiel in einer Krise gezwungen werden, Aktien zu verkaufen und damit ungewollt einen Abwärtstrend an den Märkten verstärken“, erklärte Bäte.

In einer funktionierenden Marktwirtschaft sei es außerdem wichtig, dass Unternehmen in die Insolvenz gehen könnten, ohne dass dadurch das gesamte System gefährdet würde.

Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des neuen Ständigen Vertreters der Bundesrepublik Deutschland bei der EU, Herrn Botschafter Peter Tempel, der zu Beginn ein kurzes Grußwort sprach.




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