Binnenmarkt

27. BRÜSSELER WIRTSCHAFTSGESPRÄCH

Automobile Finanzdienstleistungen – Motor einer europäischen Schlüsselindustrie

Frank Witter, Vorstandsvorsitzender von VW Financial Services, beim Brüsseler Wirtschaftsgespräch Frank Witter, Vorstandsvorsitzender von VW Financial Services, beim Brüsseler Wirtschaftsgespräch © BDI/Alexander Louvet
14.02.2011

»Finanzdienstleistungen spielen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Wachstum im EU-Binnenmarkt«,

sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Financial Services AG, Frank Witter, beim Brüsseler Wirtschaftsgespräch im Cercle Royal Gaulois im Januar 2011.

Obwohl die Volkswagen-Produktpalette die Ausgangsbasis aller Finanzdienstleistungsgeschäfte darstelle, sei die Financial Services AG sehr stolz auf ihren eigenen Beitrag zum Konzerngewinn. Selbst im Krisenjahr 2009 habe der Konzern mit Finanzdienstleistungen 673 Millionen Euro Ergebnis vor Steuern erwirtschaftet – bei einer Bilanzsumme von über 76 Milliarden Euro.

Die automobilen Finanzdienstleister der Hersteller, so Witter, trügen ganz wesentlich zum Absatz von Neufahrzeugen bei. Im deutschen Markt würden durch die Branche fast 80 Prozent der Neufahrzeuge über Kredit- und Leasingfinanzierungen »auf die Straße gebracht«, bei Gebrauchtwagen seien es drei von zehn Fahrzeugen.

Außerdem würden finanzierte und geleaste Fahrzeuge nicht so lange vom Eigentümer gefahren wie bar bezahlte Fahrzeuge. Im Durchschnitt werde ein finanziertes bzw. geleastes Auto nach rund drei Jahren durch ein Neues ersetzt; bar bezahlte Autos dagegen würden im Schnitt sieben Jahre gehalten. Darüber hinaus seien finanzierte Fahrzeuge in der Regel höherwertiger ausgestattet als bar bezahlte beispielsweise auch mit verbrauchsärmeren und umweltfreundlicheren Motoren. Finanzierte Autos seien also im Durchschnitt jünger, sicherer und umweltfreundlicher. Gerade im Großkundengeschäft seien automobile Finanzdienstleistungen daher ein effektiver Hebel, um schnell umweltfreundliche Technik in den Markt zu bringen und CO2-Emissionen signifikant zu reduzieren.

Witter berichtete, dass Umfragen zufolge der Besitz eines eigenen Autos zunehmend an Bedeutung verliere – aber nicht dessen Nutzung. Zahlen belegten, dass 58 Prozent der Haushalte in Paris kein Auto mehr besäßen. In London seien es 53 Prozent und in Berlin 41. Auf diese neuen Trends müsse die Automobilwirtschaft reagieren, um Mobilität finanziell planbar zu halten sowie zukünftig noch flexibler zu gestalten, wie zum Beispiel durch Car Sharing. Wichtig sei bei allen gegenwärtig diskutierten CO2-Reduktionszielen, dass Mobilität am Ende für den Bürger bezahlbar bleibe.

Der Finanzexperte plädierte ausdrücklich dafür, dass Industrieunternehmen wie Volkswagen weiterhin ihr Kerngeschäft auf direktem Wege über sogenannte Over-the-Counter-Derivate absichern können: »Hier geht es um reine Risikobegrenzung und nicht um Spekulation. Eine Veränderung des Over-the-Counter-Derivatehandels über Börsen ist für die Realwirtschaft nicht nötig.«

Witter bekannte sich zum EU-Binnenmarkt als zentrale Basis dafür, um Europas Wirtschaft weiter wachsen und noch stärker werden zu lassen. »Dazu ist eine einheitliche europäische Gesetzgebung für Unternehmen und Verbraucher sowie eine signifikante Eindämmung der nationalstaatlichen Sonderregelungen bei der Umsetzung von EU-Richtlinien erforderlich«, sagte der Vorstandschef von Volkswagen Financial Services.

Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Ständigen Vertreters der Bundesrepublik Deutschland bei der EU. Dessen Stellvertreter, Guido Peruzzo, sprach zu Beginn der Veranstaltung ein kurzes Grußwort.





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