Eigenkapitalausstattung im Mittelstand
Das Finanzierungsumfeld des Mittelstands wird schwieriger. Veränderte Markttrends und neue Regulierungsvorschriften für Banken setzen der gewohnten Kreditfinanzierung im Mittelstand engere Grenzen.
Umso wichtiger wird die Hinwendung zu einer mehr durch höheres Eigenkapital geprägten Finanzierungskultur. Die Eigenkapitalausstattung mittelständischer Unternehmen ist gemessen an internationalen Standards weiterhin unzureichend. Die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008/09 hat bei vielen Unternehmen die Haftkapitalbasis weiter verringert.Die Höhe des Eigenkapitals wird zum limitierenden Faktor für Expansion und Innovationsfähigkeit, im Extremfall für die Überlebensfähigkeit des Unternehmens. Die Relationen des Eigenkapitals zu Verbindlichkeiten und Vermögenswerten bestimmen die Basis für Sicherheit, Unabhängigkeit und Haftung und damit Aktionsradius und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Gerade in Zeiten des strukturellen Wandels ist dies von zentraler Bedeutung. Zudem ist die Eigenkapitaldecke wichtige Stellgröße bei der Beurteilung der Bonität der Unternehmen. Die oftmals dünne Eigenkapitaldecke belastet das Rating vieler Unternehmen und verteuert oder verhindert gar den Zugang zu Fremdmitteln.
Was ist zu tun?
- Die vorherrschende, kreditlastige Finanzierungsstruktur vieler deutscher Unternehmen ist nicht zuletzt Folge ungünstiger steuerlicher Rahmenbedingungen. Aus der hohen Unternehmensteuerbelastung resultiert die vorherrschende Eigenkapitalschwäche der Unternehmen. Notwendig ist daher eine breitangelegte „Eigenkapitaloffensive", in der eine gestärkte Innenfinanzierung über die Thesaurierung von Gewinnen sowie die Zufuhr haftenden Eigenkapitals gebündelt werden. Die steuerliche Diskriminierung des Eigenkapitals gegenüber dem Fremdkapital muss beseitigt werden.
- Die Zufuhr von Eigenkapital über den Kapitalmarkt wird immer wichtiger. Für die meisten Mittelständler ist die Aktie aus Rentabilitäts-, Publizitäts- und Kostengründen, aber auch mangels Mindestgröße und -reife keine realistische Option. Gleichwohl ist das Potential noch nicht ausgeschöpft. Umso wichtiger ist, dass die Aktie als Finanzierunginstrument für den Mittelstand attraktiver gemacht wird.
- Außerbörsliches Eigenkapital ist für viele Unternehmen nur schwierig erhältlich. Das Private Equity-Gesetz von 2007 hat sich aus unzureichend erwiesen. Erforderlich ist ein neuer, umfassender Rechtsrahmen, das den Zugang mittelständischer Unternehmen zum Beteiligungsmarkt unterstützt. Zu den dringlichsten Handlungsfeldern im steuerlichen Bereich gehören dabei: Herstellung der Steuertransparenz für Beteiligungskapitalfonds zur Schaffung der notwendigen Rechtssicherheit, die Beseitigung der Umsatzsteuer, die auf die Verwaltung der Fonds ("management fee") entrichtet wird, und die Beseitigung der restriktiven Regelungen zur Nutzung des Verlustvortrags (§ 8c KStG). Letzterer Punkt erweist sich insbesondere als zentrales Hemmnis für die Bereitsstellung von Wagniskapital für junge innovative Unternehmen.
- Bei der angestrebten verschärften Regulierung von Banken (Basel III) und Versicherungen (Solvency II) müssen die Rückwirkungen auf die Beteiligungsfinanzierung stärker in den Blick genommen werden. Mit dem neuen Rechtsrahmen für Alternative Investment Fund Managers (AIFM-Richtlinie) wurden unnötige Hürden für Beteiligungskapitalgeber aufgebaut. Bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht muss den Interessen des Kapital suchenden Mittelstands vermehrt Rechnung getragen werden. Dies gilt auch für die geplante Finanztransaktionssteuer, die sich nachteilig auf die Aktienfinanzierung mittelständischer Emittenten auswirken kann.
- Die Rahmenbedingungen für Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) sind auszubauen und zu verbessern. Dies gilt insbesondere auch für die Zulässigkeit von Rückgarantien des Bundes zur Sicherung von Mezzanine-Anschlussfinanzierungen durch MBG-Beteiligungen.
