Batterieproduktion in Deutschland aufbauen
D. Schweer (Mitglied BDI-Hauptgeschäftsführung), W. Ressing (Abteilungsleiter BMWi), M. Wissmann (BDI-Vizepräsident und VDA-Präsident) v.l.
© BDI/Kruppa
»Wir brauchen eine integrierte Zell- und Batteriesystemproduktion in Deutschland.« Das forderte BDI-Vizepräsident Matthias Wissmann.
»Wir brauchen eine integrierte Zell- und Batteriesystemproduktion in Deutschland.« »Die deutsche Industrie hat in der Elektromobilität eine gute Ausgangsposition«, sagte BDI-Vizepräsident und VDA-Präsident Matthias Wissmann. Insbesondere bei Batterien und Zellen müsse Deutschland allerdings aufholen. Deshalb sei die Politik aufgefordert, die Pilotfertigung von Batterien zu unterstützen. »Wir brauchen eine integrierte Zell- und Batteriesystemproduktion in Deutschland«, forderte Wissmann anlässlich der gemeinsamen Veranstaltung von BDI und Deutschem Verkehrsforum „Elektromobilität in Deutschland. Eine Zwischenbilanz“ am 18. Januar in Berlin.
Die Bundesregierung müsse ihre Mittel für Forschung und Entwicklung im Anschluss an das 500-Millionen-Euro-Programm verstärken. Damit forderte Wissmann rasche Klarheit für die Unternehmen. Allein die Autoindustrie investiere in den kommenden drei bis vier Jahren mindestens zehn bis zwölf Milliarden Euro für alternative Antriebe.
»Ein schlüssiger Maßnahmenkatalog zur Markteinführung von Elektrofahrzeugen ist unerlässlich«, sagte Wissmann. Hierzu sollten verschiedene Instrumente genutzt werden: finanzielle und steuerliche Impulse, verkehrsrechtliche Anreize und infrastrukturelle Anpassungen. Außerdem gehe es um gemeinsame Standards und Normen, um einen Steckersalat wie bei Mobiltelefonen zu vermeiden.
Gemeinsame Veranstaltung von BDI und Deutschem Verkehrsforum
Die Veranstaltung »Elektromobilität in Deutschland: Eine Zwischenbilanz« hat der BDI gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrsforum in Berlin durchgeführt. Klaus-Peter Müller, Präsident des Deutschen Verkehrsforums, forderte, auch die Nutzerseite angemessen zu berücksichtigen. Mit weiteren Vorträgen erläuterten Vertreter von McKinsey die Chancen für Deutschland als Leitanbieter für Elektromobilität und von der Deutschen Bank erste Schritte zu Finanzierungsansätzen. Elektromobilität aus dem Blickwinkel von »Technologien und Infrastrukturen« sowie »Geschäftsmodellen und Kundenwünschen« beleuchteten die Teilnehmer der beiden Diskussionsrunden.
Industrie zieht positives Fazit zur bisherigen Arbeit der NPE
Entscheidend seien die politische Flankierung bei der Rohstoffverfügbarkeit und der Ausbau der Lade-Infrastrukturen. Der Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) liefere wichtige Impulse – etwa durch einen Katalog prioritärer Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie branchenübergreifende Technologie- und Normungsroadmaps.
Hartmut Rauen, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung, forderte, mit effizienten Mitteln Produktion und Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. So könnten von einer steuerlichen Forschungsförderung Unternehmen aller Größenklassen auch für Elektromobilität profitieren.
Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, betonte, verstärkte Anstrengungen seien erforderlich, um das hohe Tempo mitzugehen. Entscheidend für deutsche Unternehmen sei, Leitanbieter zu werden. Die deutsche Industrie bleibe auf weltweite Absatzmärkte angewiesen: »Der deutsche Markt ist zu klein.« Die Industrie zog ein positives Zwischenfazit zur branchenübergreifenden Arbeit der NPE.
Die Energiewirtschaft stehe vor einer doppelten Herausforderung, sagte Ingo Alphéus, Vorsitzender der Geschäftsführung von RWE Effizienz. Sie müsse bedarfsgerechte Lade-Infrastruktur aufbauen und zugleich die Stromnetze weiter ausbauen. Für RWE rechne er damit, dass sich mit Elektromobilität bis 2020 kein Geld verdienen lasse. 30000 bis 40000 Ladepunkte im öffentlichen Raum seien wohl im Jahr 2020 erforderlich, um nicht zuletzt aus psychologischen Gründen der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Dennoch gehe er davon aus, dass 90 Prozent der Ladepunkte im privaten Umfeld oder beim Arbeitgeber zu finden sein werden. »Das öffentliche Laden wird die Ausnahme sein.«
Markus Schulz, Leiter der Konzernrepräsentanz von Evonik Industries in Berlin, erklärte, das Rennen bei Lithium-Ionen-Batterien für automobile Anwendungen sei durchaus noch offen. Akkus von Mobiltelefonen, Computern oder Camcordern seien nicht für den Einsatz im Elektroauto geeignet. Evonik arbeite seit über zehn Jahren an der Zellentwicklung und -produktion.
Bundesregierung will Elektromobilität weiter fördern
Die Bundesregierung denke darüber nach, die Forschungsmittelvergabe stärker zu koordinieren, erläuterte Werner Ressing, Leiter der Abteilung Industriepolitik im Bundeswirtschaftsministerium. Das Anschlussprogramm an das 500-Millionen-Euro-Paket werde bis zum zweiten Bericht der NPE im Mai 2011 stehen. Kaufprämien erteilte Ressing eine Absage. Vor 2013 bestehe keine Notwendigkeit, das Thema zu diskutieren. Damit lag Ressing auf einer Linie mit Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

