Workshop zur BDI-Studie "Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke"
Am 16. Februar 2010 fand ein Workshop zur BDI-Studie "Ökonomische Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke" statt.
Folgende Ergebnisse wurden erzielt:
- Deutschland droht eine Stromlücke
Laut der aktualisierten Studie der dena „Kurzanalyse der Kraftwerksplanung in Deutschland bis 2020“ vom Herbst 2009 droht Deutschland weiterhin eine Effizienzlücke. Denn die Investitionen in moderne fossil befeuerte Kraftwerke reichen nicht aus, um im Jahr 2020 die Jahreshöchstlast sicher, risikoarm, günstig und nachhaltig decken zu können. Bei sinkender Stromnachfrage beträgt die für das Jahr 2020 errechnete Effizienzlücke rund 10.600 MW, bei konstanter Stromnachfrage rund 14.200 MW.
Das Angebot an Strom bleibt somit knapp und die Strompreise steigen. Der Import von Strom aus dem Ausland bietet keine Alternative, da die Kapazitäten in Europa nicht ausreichen, um die Nachfrage in Deutschland zu decken. Um eine Kapazitäts- bzw. Effizienzlücke zu vermeiden, sind Investitionen u. a. in neue fossile Kraftwerke in Deutschland bzw. eine Laufzeitverlängerung der Kraftwerke folglich unerlässlich.
Kohler, Geschäftsführer Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)
„Kurzanalyse der Kraftwerksplanung in Deutschland bis 2020 (Aktualisierung)“
- Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke bringt Vorteile für Industrie, Verbraucher, Volkswirtschaft und Umwelt
Eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke bringt – unabhängig von der Frage möglicher Mehrerlöse und ihrer Verwendung – gesamtwirtschaftlich vielfältige Vorteile. So wären Laufzeiten von 60 Jahren geeignet, eine bis zum Jahre 2030 erwartete Verdoppelung der Großhandelspreise für Strom um 25 % zu dämpfen. Zugleich könnten bei gleichem CO2-Einsparvolumen in Europa die CO2-Preise um 30 % sinken, der gleiche Klimaschutz folglich deutlich günstiger erreicht werden. Die Kostenentlastung aller volkswirtschaftlichen Sektoren zusammen würde bis zum Jahr 2030 kumuliert etwa 256 Milliarden Euro betragen. Dies sind Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie „Ökonomische Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke“, die der BDI in Auftrag gegeben hat.
Bereits im Jahr 2020 wirken sich die Effekte einer Laufzeitverlängerung positiv auf die Gesamtentlastung der Stromverbraucher (9 Milliarden Euro), die Beschäftigung (+43.000 Arbeitsplätze), das Bruttoinlandsprodukt (+0,3 %) sowie die europäischen CO2-Preise (-22 %) aus. Zudem zahlten deutsche Privathaushalte bis 2030 insgesamt rund 60 Milliarden Euro weniger für Elektrizität.
Prof. Dr. Müsgens, Geschäftsführer der r2b energy consulting
„Energiewirtschaftliche Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke“
Dipl.-Volksw. Hillebrand, Geschäftsführer EEFA
„Volkswirtschaftliche Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke“
- Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke und der Ausbau erneuerbarer Energien bilden keine Gegensätze
Die Behauptung, eine Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke stünde den Interessen des Ausbaus erneuerbarer Energien entgegen, ist aus technischer Sicht nicht haltbar. Kernkraftwerke können aufgrund ihrer technischen Auslegung für den Lastfolgebetrieb genutzt werden. Bei einem zunehmenden Anteil (fluktuierender) erneuerbarer Energien werden sich Kernkraftwerke am Lastfolgebetrieb beteiligen.
Dipl.-Wirt.-Ing. Hundt, Fachgruppenleiter, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendungen (IER)
„Bremst eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke den Ausbau erneuerbarer Energien?“
Fazit: Eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke bildet somit aus zahlreichen Gründen ein sinnvolles und notwendiges Element unserer künftigen Energieversorgung. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland ist eine sichere und zugleich bezahlbare Energieversorgung unerlässlich. Die Kernenergie kann als Brückentechnologie die in den nächsten Jahrzehnten steigenden Kosten für Klimaschutz und Versorgungssicherheit entscheidend abfedern.

