Hilfestellung für Unternehmen bei der Erfassung von Product Carbon Footprints (PCF)
Klima-Stadt
©BDI Wirtschaft für Klimaschutz
Die Erfassung eines Product Carbon Footprints (PCF) stand im Mittelpunkt des Workshops am 13. Oktober 2010.
Der Klimawandel ist eine der zentralen Herausforderungen, der sich Industrie und Gesellschaft gegenübersehen. Ein Product Carbon Footprint (PCF) ist als Lösungsbeitrag dazu in den Fokus gerückt.
Der Prozess des Product Carbon Footprintings kann Unternehmen unterstützen, Transparenz über ihre Treibhausgasemissionen entlang ihrer Wertschöpfungskette zu erlangen und sinnvolle Reduktionspotenziale zu identifizieren. Denn der größte Nutzen des Product Carbon Footprinting liegt in der Optimierung entlang des Produktlebensweges unter Einbeziehung zusätzlicher Umweltkategorien.
Zahlreiche Initiativen auf internationaler und nationaler Ebene haben sich in den letzten Jahren zum Ziel gesetzt, Methoden und Empfehlungen zur Berechnung oder Kommunikation eines PCF zu entwickeln beziehungsweise zu harmonisieren. In Deutschland hatte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) das Öko-Institut beauftragt, eine systematische Analyse zum Entwicklungsbedarf der Erfassungsmethodik und der entsprechenden Kommunikation bis hin zur Produktkennzeichnung vorzunehmen. Dabei wurden auch Erfahrungen aus dem „PCF Pilotprojekt Deutschland“ herangezogen, in dem eine Reihe von Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und dem Handel die praktische Anwendbarkeit der Berechnungsmethoden getestet und auch erste Erfahrungen zur Kommunikation des PCF gesammelt haben. Darüber hinaus arbeiten bereits auch zahlreiche einzelne Unternehmen verschiedenster Branchen an der Bilanzierung der Klima- und Umweltwirkungen ihrer Produkte.
Die Ergebnisse und Erfahrungen dieser Arbeiten sind die Grundlage für den gemeinsam von BDI und BMU herausgegeben Leitfaden „Produktbezogene Klimaschutzstrategien: Product Carbon Footprint verstehen und nutzen“. Er wurde auf einem Workshop von BDI und Bundesumweltministerium am 13. Oktober 2010 in Berlin vorgestellt und richtet sich an Unternehmen, die den PCF ihrer Produkte erheben und kommunizieren wollen. Der Leitfaden veranschaulicht das praktische Vorgehen bei der Erhebung und Kommunikation des PCF. Die Empfehlungen zum Vorgehen werden sowohl für Produkte für Konsumenten als auch für Produkte, die zwischen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette gehandelt werden, gegeben. Der Leitfaden zeigt aber auch die Grenzen und Probleme des PCF auf.
Denn die bisherigen Erfahrungen von Herstellern haben deutlich gemacht, dass PCFs kein zuverlässiges Instrument zur Produktkennzeichnung mit dem Ziel der Verbraucherkommunikation sein können.
Wichtige Gründe hierfür sind die methodischen Schwierigkeiten, die Datenstreubreiten, Unwägbarkeiten und Annahmen sowie wechselnde Parameter entlang der Lieferkette bei der Erfassung und Aufbereitung von PCFs als aussagekräftige Kenngrößen für Verbraucher. Außerdem beschreiben sie nur eine ökologische Kenngröße – die Treibhausgasemissionen - von Produkten. Ein reines PCF-Label insbesondere mit einer CO2-Ziffer als Aussage ist daher nicht haltbar und auch wissenschaftlich nicht korrekt. Für Verbraucher haben derartige PCF-Labels keinerlei Aussagekraft hinsichtlich der Klimaverträglichkeit von Produkten. Demgegenüber sollten Kommunikationskonzepte treten, die Aussagen zur Nachhaltigkeit von Produkten in einfacher Weise verständlich machen und Handlungsoptionen entlang der Wertschöpfungskette aufzeigen.
Um die Nachhaltigkeit von Produkten umfassend zu bewerten, sollten alle relevanten Umweltauswirkungen und zusätzlich ökonomische und soziale Aspekte eines Produktes gleich gewichtet über den gesamten Lebensweg bewertet werden. Für Unternehmen gibt es schon jetzt bewährte Instrumente zur produktbezogenen Umweltinformation für Endverbraucher, insbesondere mit Blick auf die Normenreihe ISO 14000. Auch die Energieverbrauchskennzeichnung erlaubt sowohl Verbrauchern als auch Herstellern, vergleichbare und eindeutige Aussagen über die Umwelt- und Klimarelevanz von Produkten zu treffen.
Der PCF-Leitfaden, sowie die Zusammenfassung in deutsch und englisch stehen Ihnen hier zum downloaden bereit.
Folienvorträge des gemeinsamen Workshops von BDI und BMU: "Product Carbon Footprint (PCF) verstehen und nutzen" vom 13. Oktober 2010 in Berlin
Der Vortrag zum Thema „Herausforderung Produktbezogener Klimaschutz im Rahmen des nachhaltigen Konsums sowie im internationalen Kontext“ kann bei Herrn Prof. Matthias Finkbeiner, TU Berlin, per E-Mail angefragt werden.
Folienvorträge der Referenten des Workshops "Product Carbon Footprint (PCF) verstehen und nutzen" vom 13. Oktober 2010 in Berlin
- Product Carbon Footprinting bei Henkel, Uwe Bergmann, Henkel AG, 13. Oktober 2010
- Der Product Carbon Footprint – Nutzen und Grenzen: Erfahrungen aus der unternehmerischen Praxis, Dr. Peter Saling (BASF SE), 13. Oktober 2010
- Leitfaden Product Carbon Footprint in der Praxis Organisation der Erhebung und methodisches Vorgehen, Dr. Dietlinde Quack (Öko-Institut e. V.), 13. Oktober 2010
- Kommunikation des Product Carbon Footprint, Dr. Hans-Hermann Eggers (UBA), 13. Oktober 2010

